"Wir werden uns verändern"

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Der Sportliche Leiter der Raiffeisen Dornbirn Lions, Markus Mittelberger, hat in den vergangenen Monaten viel um die Ohren gehabt und blickt nun mit uns etwas auf die turbulente letzte Zeit zurück.

Markus, die vergangenen Monate waren für alle sehr belastend und chaotisch. Die Pandemie hat in der vergangenen Zeit nicht nur den weltweiten Alltag beeinflusst, sondern eben auch Bereiche wie Wirtschaft, Transport und eben auch den Sport. Wie hast du diese Zeit so wahrgenommen?

Markus Mittelberger: "Also ich habe ja als Lehrer weiterhin gearbeitet und die Situation war schon sehr speziell. Neben meinem Beruf gab es gerade bei den Lions viel zu tun. Wir hatten ja 6 Arbeitnehmer und diese Situation musste ebenso gelöst werden. Schön war zu sehen, dass alle irgendwie zusammenhalten. Ich würde mir wünschen, dass sich unsere Gewohnheiten auch nach der Krise nicht gleich wieder ändern."

Kannst du dich erinnern, wie du zum Beispiel die Bekanntgabe der Grenzschließungen so wahrgenommen hast und war das da für dich überhaupt real?

Markus Mittelberger: "Der Shutdown war ein völlig neues Gefühl, dass uns gezeigt hat, wie verwundbar wir sind. Ich habe immer versucht, positiv zu bleiben. Das ist ganz gut gelungen."

Als die Grenzen ja noch offen waren, befanden sich die Raiffeisen Dornbirn Lions auf einem sensationellen Weg, haben sehr gute Leistungen gezeigt und hätten mitunter sogar um den Titel mitspielen können. Wie bitter ist das für dich als Sportlicher Leiter?

Markus Mittelberger: "Die Situation war schon sehr traurig. Wir waren zu dem Zeitpunkt sicher das beste Team, hatten die letzten 8 Spiele gewonnen und einen unglaublich starken Kader. Wir standen vor dem Halbfinale mit Heimrecht und wir alle wussten, dass in dieser Saison alles möglich ist. Das rasche Ende der Saison war für den Verein und vor allem für das Team sehr bitter. Aber letztendlich zählt nur die Gesundheit."

Was hat dazu beigetragen, dass die Mannschaft einen solchen Sprung vom letzten Jahr gemacht hat?

Markus Mittelberger: "Ich glaube, es war die Kontinuität, die uns ausgezeichnet hat. Zudem hatten wir einen extrem tiefen Kader mit vielen Spielern, die ein Spiel entscheiden konnten. In dieser Hinsicht waren wir schon konkurrenzlos. Dazu kam, dass die Mannschaft wusste, was sie kann. Nach einem Hänger im Dezember waren wir zur richtigen Zeit in einer außerordentlichen Form."

Wie geht es aktuell denn weiter? Gibt es Nachrichten, Neuigkeiten bzgl. nächster Saison, Nachwuchs-Trainings etc.?

Markus Mittelberger: "Wir fahren derzeit eine zweiseitige Strategie. In erster Linie ging es darum, die vergangene Saison wirtschaftlich zu überleben. Wir haben ja fixe Kosten für Wohnungen beispielsweise und wir mussten auf offene Sponsorengelder warten. Es war eine Gratwanderung, die nicht jeder verstanden hat. Vor allem mussten wir auch die kommende Saison im Blick haben. In dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit wird es sicher einen Rückgang bei den Sponsorengeldern geben, das ist völlig verständlich. Aber wir haben auch Partner, die uns weiterhin unterstützen. Wir haben unsere Zusammenarbeit mit Coach San Miguel nicht mehr verlängert und mit Thomas Roijakkers einen neuen Coach verpflichtet. Er ist ein Top-Coach und wir werden uns mit ihm sicher weiterentwickeln. Für den Nachwuchs arbeiten wir derzeit an einer Lösung, um die vielen jungen Löwen während der Ferien einmal pro Woche in die Halle zu bringen."

Wie wird das kommende Jahr für die Vereine denn so werden? Werden viele Schwierigkeiten aufgrund der Krise bekommen und wie schaut die Situation in Dornbirn aus?

Markus Mittelberger: "Ich denke, dass die Vereine, die nicht mehr im Play-off waren, die Saison normal beenden konnten. Wie sich die Situation auf die einzelnen Budgets auswirken wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen, aber ich denke, dass alle mit einem geringeren Budget auskommen werden müssen. In Dornbirn sind wir dank der Unterstützung des Landes mit einem blauen Auge davongekommen. Das Land hat wirklich sehr rasch und unbürokratisch geholfen. Dafür möchte ich mich wirklich bedanken. Die Bundeshilfe ist gerade jetzt erst angelaufen – nach drei Monaten. Soforthilfe kann man das nicht wirklich nennen. Die Stadt Dornbirn hat bislang keine spezielle Hilfe in Aussicht gestellt. Im Moment sind wir akribisch dabei, die kommende Saison zu planen. Das betrifft den Kader ebenso wie das Budget. Wir gehen Schritt für Schritt und bislang geht es vorwärts."

Vorwärts ist man auch strukturell einen Schritt nach vorne gegagen, denn in Dornbirn gibt es bald einen neuen Coach. Wer ist der Mann und wie hast du ihn bislang wahrgenommen?

Markus Mittelberger: "Coach Roijakkers ist ein Garant dafür, dass die Fans einen ganz anderen Basketball sehen werden als zuletzt. Er ist sicher einer, der die Defensive in den Mittelpunkt stellt. Das war ja in den letzten Jahren nicht unbedingt unsere Stärke. Da wird sich den Fans eine andere Mannschaft präsentieren. Zudem hat er ein sehr gutes Netzwerk und eine großartige Arbeitseinstellung. Ich freue mich jedenfalls sehr auf die neuen Lions unter Coach Roijakkers."

Da dürfen wir uns also wirklich auf etwas freuen. Markus, abschließend noch eine Frage: Nach all den Geschehnissen der vergagenen Monate - was denkst du, kann man als Mensch, aber auch als Verein aus einer solchen Zeit mitnehmen? Was hast du für dich persönlich auch gelernt?

Markus Mittelberger: "Ich habe schon zuvor auf heimische Produkte gesetzt und versucht, regional und saisonal einzukaufen. Qualität ist mir wichtig. Eine wesentliche Erkenntnis war für mich, dass Beziehungen in solchen Zeiten helfen, über die Krise hinweg zu kommen und wertvoller sind als alles andere. Wir haben im Verein ein tolles Vorstandsteam, das sich immer besser entwickelt und das ist beruhigend und gibt Sicherheit. Wir wollen die Lions auf die nächste Stufe bringen. Persönlich habe ich gelernt, die kleinen Dinge wieder mehr zu schätzen. Vieles hat sich relativiert."

Danke.


#WEAREDORNBIRN

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